Felssturz am Kleinen Spannort: Als 1961 der Berg ins Tal kam
Am 28. Dezember 1961 brachen am Kleinen Spannort grosse Felsmassen ab. Sie rissen Schnee und Eis mit und verschütteten Teile der Alp Nieder Surenen. Historische Bilder und Zeitungsberichte zeigen, wie stark das Ereignis die Landschaft oberhalb von Engelberg veränderte.
Der Falkenturm bricht ab
Der Kleine Spannort – auch Chli Spannort genannt – steht mit dem Gross Spannort über dem hinteren Engelbergertal. Unter den markanten Felszacken liegen das Surenental und die Alp Nieder Surenen auf Urner Boden.
Am frühen Morgen des 28. Dezember 1961 lösten sich am sogenannten Falkenturm, einer äusseren Spitze des Kleinen Spannorts, grosse Gesteinsmassen. Laut dem zeitgenössischen Bericht folgten im Verlauf des Tages weitere Abbrüche.
Die Felsen stürzten über die Bergflanken und nahmen Schnee und Eis mit. Im Tal entstand eine breite Ablagerung aus Blöcken, zerkleinertem Gestein und Schnee. Die Fürenalp-Infotafel beschreibt, wie die Sturzmasse bis zum gegenüberliegenden Hang gelangte.


Auch die Luft richtete Schäden an
Der Zeitungsbericht beschreibt eine stellenweise 20 bis 30 Meter mächtige Ablagerung. Der Schuttkegel soll auf dem Alpboden rund zwei Kilometer lang und 400 Meter breit gewesen sein. Das sind damalige Angaben, keine neu vermessenen Werte.
Mehrere Alphütten wurden beschädigt und Wege zerstört. Nicht nur die Felsblöcke wirkten auf die Gebäude: Auch der Luftdruck des Sturzes knickte Bäume und riss Dächer auseinander. Schnee und Steinstaub lagerten sich an den Hüttenwänden ab.
Nach dem damaligen Bericht hielten sich zur Zeit des Ereignisses weder Menschen noch Tiere im gefährdeten Gebiet auf. Die Alphütten waren nur im Sommer bewohnt.
Auch der Abfluss der Engelberger Aa beschäftigte die Berichterstatter. Ende Dezember war noch offen, wie sich die Ablagerungen bei der späteren Schneeschmelze auf das Wasser auswirken würden.
Die Spuren des Felssturzes
Die historischen Bilder machen das Ausmass sichtbar: grosse Blöcke, beschädigte Hütten und eine Landschaft unter Schnee und Gesteinsstaub.

Wie viel Fels stürzte ins Tal?
Hier unterscheiden sich die Quellen deutlich. Der Zeitungsartikel mit der handschriftlichen Datierung 30.12.1961 spricht von einer schwer abschätzbaren Menge von knapp einer Million Kubikmetern.
Die fotografierte Fürenalp-Infotafel nennt dagegen 50’000 bis 70’000 Kubikmeter Fels. Beide Texte beziehen sich auf den 28. Dezember 1961. Aus den vorliegenden Unterlagen lässt sich nicht klären, weshalb die Angaben so stark voneinander abweichen.
Zeitungsbericht 1961: Schätzung von knapp 1 Million m³.
Fürenalp-Infotafel: 50’000–70’000 m³.
Deshalb wird hier keine dieser Mengen als abschliessend gesicherter Wert dargestellt. Klar dokumentiert sind die grossen Schäden an Landschaft und Alphütten.
Ein weiterer Felssturz unterhalb des Chli Spannorts
Mehr als fünfzig Jahre später berichtete die Neue Luzerner Zeitung erneut von einem Felssturz im Engelbergertal. Am 2. August 2012 gegen 10 Uhr brachen im Gebiet Sattelstöckli unterhalb des Chli Spannorts rund 5’000 Kubikmeter Fels ab.
Die Abbruchstelle lag auf Gemeindegebiet von Attinghausen auf etwa 2’400 Metern. Die zerbrochenen Felsmassen kamen grösstenteils auf dem Gillenboden auf rund 1’800 Metern zum Stillstand. Nach dem Bericht kam niemand zu Schaden.
Von der gegenüberliegenden Fürenalp aus beobachtete Gleitschirminstruktor Othmar Leupi den Abbruch. Er schilderte zunächst einzelne fallende Steine, dann einen grösseren Felszacken und eine dichte Staubwolke. Auch im Restaurant Alpenrösli wurde das Ereignis wahrgenommen.
Eine Landschaft in Bewegung
Felswände verändern sich über lange Zeit. Klüfte, Verwitterung und Wasser beeinflussen ihre Stabilität. Wenn Wasser in Felsspalten gefriert, kann es Gestein absprengen. Auch hoher Wasserdruck im Fels spielt eine Rolle.
Im Hochgebirge kann auftauender Permafrost die Stabilität zusätzlich beeinflussen. Das erklärt allgemeine Prozesse – die konkrete Ursache des Spannort-Felssturzes von 1961 ist damit nicht bewiesen.
Die Ereignisse von 1961 und 2012 gehören zur Geschichte des Surenentals. Dieser Beitrag dokumentiert historische Vorgänge; aktuelle Informationen für Touren findest du unter Aktuelle Verhältnisse.
Nach der Einteilung des SLF spricht man ab einem Gesamtvolumen von 100 m³ von einem Felssturz, ab einer Million m³ von einem Bergsturz. Weil die historischen Mengenangaben hier voneinander abweichen, verwendet der Beitrag die Bezeichnung «Felssturz» aus den Originalberichten.
Die Begriffe beim SLF nachlesen →Häufige Fragen zum Spannort-Felssturz
Wann ereignete sich der grosse Felssturz am Kleinen Spannort?
Am 28. Dezember 1961. Der zeitgenössische Bericht beschreibt mehrere Abbrüche im Verlauf des Tages.
Welches Gebiet war betroffen?
Die Alp Nieder Surenen im hinteren Engelbergertal auf Urner Boden. Die bereitgestellten historischen Bilder zeigen Ansichten mit den Albumlegenden Stäfeli, Alpenrösli sowie Fuchsstein und Spitzgrassen.
Gab es 1961 Opfer?
Nach dem bereitgestellten Zeitungsbericht befanden sich während des Ereignisses keine Menschen oder Tiere im gefährdeten Gebiet. Die Alphütten waren nur im Sommer bewohnt.
Wie gross war der Felssturz von 1961?
Der damalige Zeitungsbericht schätzte knapp eine Million Kubikmeter. Die Fürenalp-Infotafel nennt 50’000 bis 70’000 Kubikmeter. Die genaue Menge lässt sich aus diesen widersprüchlichen Angaben nicht abschliessend bestimmen.
Was geschah am 2. August 2012?
Im Gebiet Sattelstöckli unterhalb des Chli Spannorts brachen laut Neuer Luzerner Zeitung rund 5’000 Kubikmeter Fels ab. Die Massen kamen grösstenteils auf dem Gillenboden zum Stillstand. Niemand kam zu Schaden.
Historische Berichte und Bildmaterial
- Zeitungsausschnitt «Der Felssturz am Kleinen Spannort»: handschriftlich auf 30.12.1961 datiert; Zeitungstitel auf dem Ausschnitt nicht erkennbar. Bildnachweis im Artikel: H. Andermatt und H. von Rotz.
- Niklaus Wächter, Neue Luzerner Zeitung, 3. August 2012: «Felssturz im Engelbergertal».
- Fürenalp-Infotafel «Donnern in der Nacht»: Beschreibung des Ereignisses vom 28. Dezember 1961.
- Fotos und Zeitungsartikel: aus dem Restaurant Stäfeli (Berggasthaus Stäfelialp). Fotografen der einzeln gezeigten Albumaufnahmen nicht angegeben; sie werden nicht den Fotografen des Zeitungsartikels zugeschrieben.
- SLF: Bergsturz, Steinschlag und Co. – fachliche Einordnung der Begriffe und Prozesse.
Die historischen Texte wurden in eigenen Worten zusammengefasst. Die Albumfotos wurden einzeln ausgeschnitten, perspektivisch ausgerichtet und für das Web aufbereitet.
Die Geschichte vor Ort: Einkehren im Stäfeli
Verbinde einen Ausflug ins Surenental mit einer Einkehr im Restaurant Stäfeli – Berggasthaus Stäfelialp. Dort findest du die historischen Fotos und Zeitungsartikel zum Felssturz vor Ort. So werden die alten Bilder und Berichte mitten in der Landschaft greifbar.
Auf der Sonnenterrasse geht der Blick zum Schlossberg und zu den beiden Spannort-Gipfeln. Eine schöne Gelegenheit, die Bergwelt in Ruhe anzuschauen und etwas zu essen.
Die Öffnungszeiten sind saisonal. Schau vor deinem Ausflug auf der Website nach und bring Bargeld mit – das Stäfeli liegt in einem Funkloch.
Stäfeli: Öffnungszeiten & Reservation ↗




