Titlis 1744 – vier Klosterangestellte auf dem Gipfel
Die erste belegte Besteigung des Titlis gelang 1744 vier Angestellten des Klosters Engelberg. Johann Ignaz Hess, Josef Eugen Waser, Joachim Kuster und Benedikt Erne fanden ihren Weg über Alpweiden und Gletscher zum Gipfel. Ihr Bericht wurde erst Jahre später aufgezeichnet.
Unterwegs ohne bekannte Gipfelroute
Ein Käser, ein Pförtner, ein Pferdeknecht und ein Schmied steigen auf den Titlis. Was wie der Anfang einer erfundenen Geschichte klingt, gehört zu den frühen belegten Gipfelerfolgen der Zentralschweiz. Im Jahr 1744 erreichen vier Angestellte des Klosters Engelberg den höchsten Punkt.
Ihre Namen sind überliefert: Johann Ignaz Hess, Josef Eugen Waser, Joachim Kuster und Benedikt Erne. Dass ausgerechnet Menschen aus dem Arbeitsalltag des Klosters diesen Berg besteigen, macht die Geschichte besonders. Die Anfänge des Alpinismus in Engelberg tragen die Namen lokaler Handwerker und Angestellter.
Die historische Darstellung von Daniel Anker beschreibt einen Aufstieg über die Gerschnialp, die Alp Laub und den Laubersgrat. Darüber wartet der Gletscher. Wie die Gruppe den Übergang ins Eis genau findet, lässt sich aus der Überlieferung nicht lückenlos rekonstruieren. Auch die spätere Bergliteratur diskutiert verschiedene Möglichkeiten.
Erwähnt werden Seil, Fusseisen und hölzerne Stangen. Allein diese Ausrüstung erzählt viel über das Unternehmen: Die Männer rechnen mit schwierigem Untergrund und Spalten. Sie müssen einen Weg suchen, dessen Fortsetzung sie nur teilweise überblicken können. Auf dem Gipfel stellen sie eine Fahne auf.
Eine moderne Routenlinie lässt sich daraus nicht ableiten. Der historische Reiz liegt gerade darin, dass sich die Männer durch ein Gelände bewegen, für das ihnen die heute selbstverständlichen Orientierungshilfen fehlen.
Eine Geschichte aus zweiter Hand
Unser Wissen über die Besteigung stammt wesentlich aus einer späteren Aufzeichnung. Der Engelberger Klostergelehrte Magnus Waser hält die Geschichte 1767 in einem Brief an Johann Konrad Füssli fest. Dafür befragt er noch lebende Teilnehmer. Der Bericht erscheint 1772 im Druck.
Zwischen dem Gipfelgang und seiner schriftlichen Sicherung liegen somit mehr als zwanzig Jahre. Das erklärt, weshalb Namen und Grundzüge gut überliefert sein können, einzelne Wegdetails aber offenbleiben.
Wer heute vom Tal zum Titlis blickt, sieht einen erschlossenen Ausflugsberg. Die Geschichte von 1744 öffnet ein anderes Bild: einen Berg, dessen oberster Teil erst durch eigenes Erkunden zugänglich wird. Und vier Männer, deren Berufe man kennt, über deren persönliche Beweggründe jedoch viel weniger überliefert ist.
Häufige Fragen
Wer hat den Titlis zuerst bestiegen?
Die erste belegte Besteigung gelang 1744 Johann Ignaz Hess, Josef Eugen Waser, Joachim Kuster und Benedikt Erne. Sie arbeiteten als Käser, Pförtner, Pferdeknecht und Schmied für das Kloster Engelberg.
Waren die Erstbesteiger des Titlis Mönche?
Nein. Nach der ausgewerteten Überlieferung waren die vier Männer Klosterangestellte. Der Klostergelehrte Magnus Waser hielt ihre Geschichte später schriftlich fest.
Welche Route nahmen die Erstbesteiger?
Überliefert ist ein Aufstieg über Gerschnialp, Alp Laub und Laubersgrat. Der genaue Übergang auf den Gletscher lässt sich nicht sicher rekonstruieren.
Woher kennt man die Geschichte von 1744?
Magnus Waser befragte noch lebende Teilnehmer und beschrieb die Besteigung 1767 in einem Brief an Johann Konrad Füssli. Der Bericht erschien 1772 im Druck.
Quellen und Einordnung
Textgrundlage: Daniel Anker: Der Bergsteiger-Berg, S. 40–45. In: Daniel Anker (Hrsg.), Titlis – Spielplatz der Schweiz, AS Verlag, Zürich, 2001. Ergänzende Quellen sind unten verlinkt.
Redaktion: Dani Perret, Bergführer in Engelberg. Historischer Wissensbeitrag; keine aktuelle Routenbeschreibung.
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