Mehrseillängen · Brunni · Engelberg
Sättelistock Südostwand. Alpine Kletterrouten über Engelberg.
Die Südostwand des Grossen Sättelistocks bietet fünf lange Kletterrouten in steilem Kalkfels – vom klassischen SE-Pfeiler bis zur anspruchsvollen Physical Gravity.
Die Kletterei an der Sättelistock Südostwand ist eindrücklich, aber das Gebiet ist kein gewöhnliches Plaisirgebiet. Der exponierte Zustieg führt über sehr steile Grasbänder, die Routen verlangen Erfahrung im alpinen Mehrseillängenklettern und auch die Abseilpiste muss sicher gefunden und beherrscht werden.
- Schwierigkeit
- 5c+ bis 7a
- Routenlänge
- 5 bis 15 Seillängen
- Zustieg
- ca. 1½ Stunden ab Ristis
- Wandhöhe
- ca. 400 Meter
- Einstieg
- ca. 2300 m
- Saison
- ca. Mai bis November
- Exposition
- Südost
- Charakter
- Alpin · exponiert · T6
Der Zustieg ist bei Nässe nicht zu empfehlen. Sichere Trittsicherheit, alpine Erfahrung und eine sorgfältige Tourenplanung sind für alle Routen zwingend.
Von Ristis an den Wandfuss
Zustieg zum Sättelistock
Ristis – Rigidalalp
Ausgangspunkt ist Ristis oberhalb von Engelberg. Von dort folgt man zunächst den Wegen in Richtung Rigidalalp und weiter in das Gelände unterhalb des Sättelistocks.
Die Übersichtskarte ist für die genaue Linienwahl wichtig. Der Zustieg wird zunehmend weglos und darf nicht mit einem normalen Wanderweg verwechselt werden.
Über die steilen Grasbänder
Unter der Südostwand quert und steigt man über sehr steile Gras- und Schrofenbänder weiter. Das Gelände ist exponiert und wird mit T6 bewertet. Gute Trittsicherheit und eine zuverlässige Orientierung sind hier entscheidend.
Bei feuchtem Gras wird dieser Abschnitt schnell gefährlich. Der Zustieg sollte deshalb nur bei trockenen Verhältnissen begangen werden.
Zum Einstieg der gewählten Route
Am Wandfuss folgt man der Übersicht und dem Topo zum Einstieg der gewählten Linie. Die Einstiege liegen auf ungefähr 2300 Metern und verteilen sich über die breite Südostwand.
Für den Zustieg ab Ristis sollte man rund 1½ Stunden einplanen. Reserven für die Wegsuche gehören bei einer ersten Begehung dazu.
Fünf Linien durch die Südostwand
Topo Sättelistock
Das Topo zeigt die Routen Fakir, Zwischä dä Dächer, SE-Pfeiler, Physical Gravity und Stecknadel. Zusätzlich sind die Abseilpiste, wichtige Querungen und die einzelnen Seillängen eingezeichnet.
In der breiten Wand liegen mehrere Linien nahe beieinander. Speichere das Topo in voller Auflösung offline und kläre vor dem Einstieg, welche Route und welche Abseillinie du benutzen willst.
Linien und Abseilpiste im Wandbild
Übersicht der Südostwand
Das Wandbild hilft bei der Zuordnung der Einstiege und zeigt die Lage der Routen sowie der Abseilpiste. Es ersetzt im Gelände weder das detaillierte Topo noch die eigene Wegfindung.
Von klassisch bis extrem
Kletterrouten am Sättelistock
Alle fünf Linien sind ernsthafte alpine Mehrseillängenrouten. Die Angabe «obligatorisch» bezeichnet den Grad, der auch zwischen den Sicherungspunkten sicher geklettert werden muss.
Fakir
- OBLIG.
- 6a+
- Absicherung
- gut+, ergänzbar
- Seil
- 2 × 50 m
- Zusätzlich
- Friends 1.5–2.5, Keile
Im Mittelteil bietet Fakir sehr schöne Kletterei in steilem Kalkfels. Die ersten drei Seillängen können jedoch brüchige Stellen aufweisen. Vorsichtiges Klettern und ein konsequenter Umgang mit Steinschlag sind besonders am Einstieg wichtig.
Erstbegehung: R. Amrein und J. Odermatt, 1993.
Zwischä dä Dächer
- OBLIG.
- 5c+
- Absicherung
- gut+, ergänzbar
- Seil
- 2 × 50 m
- Zusätzlich
- Friends 1.5–2.5, Keile
Eine lange und abwechslungsreiche Linie durch die markanten Dachzonen der Südostwand. Die Route folgt gutem Fels und verbindet technische Passagen mit eindrücklicher Kletterei durch die Dächer.
Erstbegehung: R. Amrein und J. Odermatt, 1991.
SE-Pfeiler
- OBLIG.
- 5c+
- Absicherung
- gut+, ergänzbar
- Seil
- 2 × 50 m
- Zusätzlich
- Keile
Der klassische Anstieg durch die Wand. Der SE-Pfeiler bietet über 15 Seillängen anhaltende Kletterei in meist gutem Fels und folgt einer logischen Linie zum Grossen Sättelistock.
Erstbegehung: F. Anderüti und K. Grüter, 1960. Saniert 2001.
Physical Gravity
- OBLIG.
- 6c
- Absicherung
- sportlich, teils weite Abstände
- Seil
- 2 × 50 m
- Zusätzlich
- Friends
Die anspruchsvollste Linie der Wand führt durch scharfen Kalkfels von guter Qualität. Schwierige Kletterstellen, ein hoher obligatorischer Grad und teilweise weite Hakenabstände machen Physical Gravity zu einer Route für sehr starke und erfahrene Seilschaften.
Erstbegehung: M. Ruggli und S. Speck, 2002.
Stecknadel
- OBLIG.
- 6c
- Absicherung
- sportlich, teils weite Abstände
- Seil
- 2 × 50 m
- Zusätzlich
- Friends 1–4, Keile
Stecknadel ist eine kurze, aber fordernde Linie und kann als etwas angenehmere Variante zu Physical Gravity verstanden werden. Der hohe obligatorische Grad und die sportliche Absicherung bleiben ernsthaft.
Erstbegehung: F. Krummenacher und S. Speck, 2002.
Zurück zum Wandfuss
Abstieg über die Abseilpiste
Der Rückweg erfolgt über die eingerichtete Abseilpiste. Sie verläuft links der zentralen Routen durch die Südostwand und führt in mehreren langen Abseilstellen zurück zum Wandfuss.
Vom Wandfuss geht es auf derselben Zustiegsroute über die steilen Grasbänder zurück Richtung Rigidalalp und Ristis. Auch beim Rückweg muss das Gelände trocken sein und konzentriert begangen werden.
Mehr als nur den Klettergrad beherrschen
Anforderungen
- Sicheres Klettern im jeweiligen obligatorischen Schwierigkeitsgrad
- Routine im alpinen Mehrseillängenklettern
- Selbständiges Standplatzbauen, Sichern und Abseilen
- Erfahrung mit Friends und Klemmkeilen
- Sehr gute Trittsicherheit im exponierten T6-Zustieg
- Sichere Orientierung in weglosem Steilgelände und in der Wand
- Genügend Kondition und Zeitreserven für eine lange alpine Tour
Für Route, Zustieg und Abseilpiste
Ausrüstung
- Zwei 50-Meter-Seile
- Klettergurt und Kletterhelm
- Sicherungs- und Abseilgerät
- Genügend Expressschlingen entsprechend der gewählten Route
- Schraubkarabiner, Bandschlingen und Material für den Standplatz
- Friends und Klemmkeile gemäss Routenangabe
- Persönliche Selbstsicherung für die Abseilpiste
- Geeignete Zustiegsschuhe für sehr steiles Gras- und Schrofengelände
- Topo und Zustiegskarte offline auf dem Smartphone
- Wetterangepasste Kleidung sowie genügend Essen und Getränke
Gut zu wissen
Fragen zur Sättelistock Südostwand
Welche Route eignet sich für die erste Tour am Sättelistock?
Der SE-Pfeiler ist der klassische Anstieg durch die Wand. Mit 15 Seillängen ist er lang und alpin, obwohl der obligatorische Grad mit 5c+ tiefer liegt als bei Physical Gravity oder Stecknadel.
Wie schwierig sind die Kletterrouten?
Die Bewertungen reichen von 6b mit 5c+ obligatorisch bis 7a mit 6c obligatorisch. Zusätzlich erhöhen Zustieg, Wegfindung, Länge und Abseilen den Gesamtanspruch deutlich.
Ist der Sättelistock ein Plaisirklettergebiet?
Nein. Mehrere Routen sind gut mit Bohrhaken abgesichert, können aber mit mobilen Sicherungsmitteln ergänzt werden. Bei Physical Gravity und Stecknadel ist die Absicherung sportlicher und weist teilweise längere Abstände auf.
Warum darf der Zustieg nicht nass sein?
Der Zustieg führt durch sehr steile und ausgesetzte Grasbänder. Feuchtes Gras ist extrem rutschig und kann das T6-Gelände gefährlich machen.
Welche Seile werden benötigt?
Für die beschriebenen Routen und die Abseilpiste werden zwei 50-Meter-Seile benötigt.
Wie erfolgt der Abstieg?
Der Rückweg erfolgt über die eingerichtete Abseilpiste. Einzelne Standplätze sind nicht einfach zu finden. Deshalb müssen Topo und Wandbild vor der Tour genau studiert werden.
Kann man die Routen mit einem Bergführer klettern?
Ja. Welche Route passt, hängt vom persönlichen Kletterniveau, der Erfahrung und den aktuellen Verhältnissen ab. Das wird vor der Tour gemeinsam beurteilt.
Alpine Mehrseillängen über Engelberg
Sättelistock mit Bergführer
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