Mehrseillängen · Engelberg · Titlis
Titlis Südwand Klettern – SE-Pfeiler, Incas, Tumi und weitere Routen
Die Südwand des Gross Titlis verbindet steile Kalkkletterei mit einer hochalpinen Umgebung. Vom klassischen SE-Pfeiler bis zu anspruchsvollen Wandrouten reicht die Auswahl über dem Firnalpelifirn.
Die Wand ist rund 500 Meter hoch, manche Linien führen darüber hinaus bis zum Gipfel. Zustieg, Schnee auf den Bändern und Rückweg gehören zur ganzen Unternehmung. Zwei in der Übersicht erwähnte Projekte werden nicht als fertige Routen geführt.
- Schwierigkeiten
- 6b+ bis 7a laut Tabellen
- Länge
- 7–26 SL je nach Route
- Zustieg
- Via Klein Titlis / Grassenbiwak
- Absicherung
- Alpin bis eingerichtet
- Einstiege
- ca. 2550 m
- Saison
- Juni–Oktober, nach Verhältnissen
- Exposition
- Süd
- Wandhöhe
- ca. 500 m
Zum Einstieg
Zustiegsbeschreibung

Ab Klein Titlis
Mit der Bahn nach Klein Titlis. Von dort über die Route des ehemaligen Südwand-Klettersteigs absteigen und über das Gletschergelände zur gewählten Linie queren. Der ehemalige Klettersteig wird nicht mehr unterhalten; die Drahtseile sind weitgehend entfernt. Hochtour Klein Titlis via Südwand ↗
Über das Grassenbiwak
Alternativ aus dem Engelbergertal zum Biwak und weiter zum Wandfuss. Das Grassenbiwak liegt auf 2647 m. Der SAC nennt für den Normalzustieg T4 und rund 4:45 h. SAC: Zustieg zum Grassenbiwak ↗ Die Zustiegszeit von vier Stunden in den Routenunterlagen ist nur ein grober Richtwert; den Weg zum jeweiligen Einstieg zusätzlich einplanen.
Orientierung in der Wand
Wandübersicht


Alle Angaben bei der jeweiligen Route
Routen und Topos
SE-Pfeiler
- Länge
- 26 SL
- OBLIG.
- 5c+ / A2
- Material
- 2 × 50 m laut Tabelle; Friends, Keile, Hammer und Haken
- Erstbegehung
- R. Bögli, J. Braun, R. Monnerat, M. Perrenoud, M. Zuckschwert & B. Meier, 1960
Eine lange klassische Unternehmung bis zum Gipfel. Die ersten beiden Seillängen sind als brüchig beschrieben; ein Einstieg über Tumi ist in den Unterlagen als Alternative erwähnt. Auch bei moderater obligatorischer Freikletterei bleibt der technische und alpine Aufwand gross.
Absicherung: Alpin; historisches Hakenmaterial, teilweise Holzkeile und alte Bohrhaken.
Im Topo steht auch eine 60-m-Seillänge. Die Tabellenangabe 2 × 50 m nicht ohne Abgleich mit Standplätzen und Seilführung übernehmen.
Incas
- Länge
- 11 SL
- OBLIG.
- 6c
- Material
- 2 × 50 m; Friends 1–2,5; Keil-Set
- Erstbegehung
- C. & Y. Remy, 1992
Anspruchsvolle Wandkletterei. In der achten Seillänge ist eine exponierte 6c-Stelle mit gefährlichem Sturzpotenzial beschrieben. Rückweg über die Route oder Weiterstieg über Tumi zum Gipfel.
Absicherung: Grundsätzlich eingerichtet, mobile Ergänzungen gehören dazu.
Tumi
- Länge
- 15 SL
- OBLIG.
- 6b+
- Material
- 2 × 50 m; Friends 1–2,5; Keil-Set
- Erstbegehung
- C. & Y. Remy, 1992
Tumi verbindet Wandkletterei mit einem alpinen oberen Abschnitt. Die Unterlagen beschreiben Abseilen nach elf Seillängen oder den Weiterweg zum Gipfel.
Absicherung: Ergänzbare Absicherung; im oberen Teil weniger Haken.
Handstreich
- Länge
- 20 SL
- OBLIG.
- 6b / A2
- Material
- Friends-Set, Keil-Set, Hammer und Haken; Seilsystem gemäss Topo planen
- Erstbegehung
- H. Howald & E. Neracher, 1981
Eine lange Linie mit Verschneidungen, Bändern und mehreren Biwakmöglichkeiten. Der dokumentierte Ausstieg führt Richtung Gipfel; Rückkehr über Klein Titlis.
Absicherung: Alpin; altes Material und technische Passagen.
Das Topo enthält Seillängen von 55 m. Die Seilausrüstung entsprechend festlegen; eine Seillänge ist nicht automatisch eine Abseillänge.
Wasserkraft
- Länge
- 12 SL
- OBLIG.
- 5c+ / A1
- Material
- 2 × 50 m; Friends 1–2; Keil-Set
- Erstbegehung
- P. Schoch, P. Ahi, Th. v. Atzigen & K. Winkler, 1988; saniert P. Schoch 2010
Strukturierter Kalk mit abwechslungsreichen Wandstellen. Schmelzwasser kann die Linie auch im Herbst nass halten.
Absicherung: Weitgehend gebohrt; die letzten beiden Seillängen sind selbst abzusichern.
Die Übersichtstabelle nennt 6b+, während das gezeichnete Topo davon abweichende Einzelbewertungen enthält.
Gelbe Sau
- Länge
- 12 SL
- OBLIG.
- 6c
- Material
- 2 × 50 m; Friends 2, 2,5 und 4; Keil-Set
- Erstbegehung
- P. Schoch, D. Stalder & K. Winkler, 1988–2006
Oberhalb des Schuttbandes folgen Platten und Wandkletterei mit Wasserrinnen und griffigen Strukturen. Die Veränderungen am Gletscher beeinflussen den Einstieg.
Absicherung: Eingerichtet, mit mobilen Sicherungen ergänzen.
Cirrus
- Länge
- 11 SL
- OBLIG.
- 6c+
- Material
- 2 × 50 m; Friends 1–2; Keil-Set
- Erstbegehung
- Ch. Wicki & T. Dollinger, 1996
Abwechslungsreiche Linie mit stark strukturiertem Kalk im Mittelteil. Die Route endet am grossen Band.
Absicherung: Erste Seillänge mobil abzusichern, danach eingerichtet.
Truth of Human Desire
- Länge
- 7 SL
- OBLIG.
- Nicht angegeben
- Material
- 2 × 50 m; Rocks / Nuts; Friends 1–3 doppelt
- Erstbegehung
- K. Carrigan & M. Scheel, 1985
Eine kurze Route gemessen an der Wandhöhe, aber eine ernsthafte alpine Linie. Risse, grauer Pfeiler und ein brüchiger Überhang sind im Topo vermerkt. Am Band aussteigen oder den Rückzug planen.
Absicherung: Alpin und kühn; weite, selbst abzusichernde Passagen.
Die Tour bis zum Schluss planen
Abstieg und Rückweg
Der Rückweg hängt von der Linie und vom gewählten Ausstieg ab. Incas kann über die Route verlassen oder mit Tumi verlängert werden. Bei Tumi ist Abseilen nach elf Seillängen beschrieben; die vollständige Route führt weiter zum Gipfel. Der SE-Pfeiler und Handstreich verlangen eine Planung über den Gipfelbereich Richtung Klein Titlis. Auf Bändern liegender Schnee, lose Steine und die Länge der Abseiletappen gehören in diese Planung.
Das bringst du mit
Anforderungen und Charakter
Neben sicherem Klettern in den angegebenen Graden brauchst du Erfahrung im Gletschergelände und mit mobiler Absicherung. Eine gebohrte Route ist in dieser Umgebung nicht mit einem Klettergarten vergleichbar. Die obligatorischen Angaben mit A1 oder A2 schliessen technische Kletterpassagen ein.
Für Kletterroute und Rückweg
Ausrüstung
Das routenspezifische Material steht in jeder Routenbox. Ergänzend gehört zur persönlichen Ausrüstung:
- Klettergurt, Helm, Kletterschuhe und geeignete Bergschuhe
- Sicherungs- und Abseilgerät, Selbstsicherung, Schraubkarabiner und Schlingen
- Mobile Sicherungen und Seilsystem gemäss gewählter Route und Rückweg
- Gletscherausrüstung mit Steigeisen, Pickel und Spaltenrettungsmaterial nach Zustiegsvariante
- Stirnlampe, Wetterschutz, warme Kleidung, Verpflegung und ausreichend Getränke
- Karte und Topos offline; bei mehrtägiger Planung Biwakausrüstung
Zusätzliches Wissen
Häufige Fragen
Ist der alte Klettersteig ein normaler Klettersteig?
Nein. Der ehemalige Klettersteig wird nicht mehr unterhalten; die Drahtseile sind weitgehend entfernt. Hochtour Klein Titlis via Südwand ↗ Der Abstieg ist eine alpine Route mit eigener Seilsicherung und Wegfindung.
Welche Routen lassen sich kombinieren?
Incas und Tumi teilen sich das Übersichtstopo. Der Weiterstieg von Incas über Tumi zum Gipfel ist beschrieben. Die Verbindung und die zusätzliche Länge müssen in Zeit- und Materialplanung passen.
Was bedeutet 5c+ / A2 beim SE-Pfeiler?
Der obligatorische Freiklettergrad beschreibt nicht die ganze Schwierigkeit: A2 steht für technisches Klettern. Erfahrung mit Haken, mobilen Sicherungen und technischen Passagen ist zusätzlich erforderlich.
Gibt es im Grassenbiwak Kochmöglichkeiten?
Kochgeschirr und Holzofen sind vorhanden; Essen selbst mitbringen. SAC: Ausstattung des Grassenbiwaks ↗
Kann ich am Ausstieg direkt zur Bahn gehen?
Bei der Bergstation können sich Wege wegen der Bauarbeiten ändern. TITLIS: Hinweise zur Wegführung ↗
Dani Perret · UIAGM Bergführer
Titlis Südwand mit Bergführer
Du möchtest eine alpine Klettertour planen? Schreib mir, welche Routen du bereits geklettert bist und was du dir zutraust. Gemeinsam klären wir, welches Ziel zu deiner Erfahrung und den Verhältnissen passt.

Alpinklettern mit Dani
Routenwahl und Tourenplanung gemeinsam besprechen.
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