21. September 2026

By Daniel Perret

Bergwissen · Sagen aus Engelberg

Die Sage vom Tuifelstäi oberhalb von Engelberg

Oberhalb von Horbis, am Weg in Richtung Planggeneralp, steht ein markanter Felsblock. Im Engelberger Dialekt heisst er Tuifelstäi – Teufelsstein. Seine Geschichte ist mit der Horbiskapelle, einer mutigen Bäuerin und dem Teufel verbunden.

01 · Horbis

Die Horbiskapelle und der Weg zur Planggenalp

Die Sage beginnt im Mai des Jahres 1490 – zur Zeit, als im Horbis eine neue Kapelle eingeweiht wurde.

Nach der Überlieferung machte sich damals viel Volk vom Kloster Engelberg aus auf den Weg. Die Prozession führte zum heutigen «Ende der Welt», wie Horbis auch genannt wird. Mit dabei waren die Konventualen des Stifts und ihr Abt Niklaus II. Auf dem Ehrenplatz ging der Generalvikar des Bischofs von Konstanz, Bischof Daniel Zehnder.

In Horbis sollte eine Kapelle geweiht werden. Das kleine Gotteshaus war im Jahr zuvor erbaut, von Abt Niklaus gestiftet und der «lieben Frau» versprochen worden.

ORT UND ÜBERLIEFERUNG Horbistal · Planggen · Engelberg

Der Tuifelstäi liegt im Gebiet Planggen oberhalb von Engelberg. Das Schweizerische Steindenkmäler-Inventar führt ihn als Sagenstein unter den Namen Tüfelstei und Tuifelstäi.

Zur gleichen Zeit führte weiter oben ein Pfad über die Flühe von Chrüterli, Nesslebalm und Gälbalm in Richtung Planggeneralp. Eine Frau war dort unterwegs, um die Hütte ihrer Familie für die kommende Alpsaison herzurichten. Auf dem Rücken trug sie eine schwere Tschiffere.

Von ihrem Weg aus konnte sie die Prozession unten im Tal verfolgen. Der warme Talwind trug hin und wieder einen Teil des frommen Gesangs zu ihr hinauf. Sie ahnte nicht, dass ihr bald selbst etwas Unheimliches begegnen würde.

02 · Die Sage

Der Teufel will die Kapelle zerstören

Kurz vor dem Alphag der Planggeneralp, an einem steilen Hang, steht ein mächtiger Felsbrocken. Auf seiner unteren Seite bildet der Fels eine kleine Balm – einen natürlichen Unterstand. Menschen können dort bei einem Gewitter Schutz finden. Auch Schafe, Ziegen und das frisch getrocknete Heu der Alp fanden unter dem Fels ein Dach.

Als die Älplerin den Fels erreicht, sieht sie zu ihrem Schrecken, wie sich der Brocken langsam rückwärts bewegt. Der Teufel versucht, ihn ins Rollen zu bringen. Sein Ziel ist die neue Kapelle unten im Horbis. Würde der Fels den Hang hinunterstürzen, wären das «Chäppeli» und die Menschen und Tiere im Tal in grosser Gefahr.

Der Teufel stemmt sich mit aller Kraft gegen den Fels. Mit dem Rücken drückt er gegen den Brocken, Arme und Beine verkeilt er im Hang. Er bemerkt die Älplerin nicht.

Die Frau stellt ihre Last auf den Weg, eilt die sieben Schritte zum Felsen hinauf und zeichnet mit dem Daumen ein Kreuz auf den Stein. In diesem Moment geht alles schnell: Ein durchdringender Schrei, Blitz und Donner erschüttern den Hang. Eine Wolke aus Schnee- und Geröllstaub wirbelt auf. Die Frau wird zu Boden geschleudert und rutscht mehrere Fuss die steile Plangge hinunter. Bewusstlos bleibt sie liegen.

DIE KRAFT DES KREUZES Der Fels bleibt stehen.

In der Sage schützt das Kreuz nicht nur die Frau. Es verhindert auch, dass der Teufel den Fels zur Horbiskapelle hinunterrollen kann.

03 · Das Zeichen

Quellen, Glocken und ein Teufelsbild

Als die Frau wieder erwacht, liegt über ihr der gewaltige Felsblock. Unter ihr fällt die Plangge steil ab. Rund um den Fels sprudeln plötzlich zahlreiche kleine Quellen aus dem Boden – an einer Stelle, die bis dahin als besonders trocken galt.

Aus der neu erbauten Kapelle im Horbis erklingt zum ersten Mal das Evangeliklöcklein. Für die Frau ist klar: Das Kreuz hat die Kapelle und das Tal gerettet.

An der Stelle, an der heute Lauch wächst, entsteht eine weitere Erinnerung an das Ereignis. Wer den Lauch kennt, sagt, er schmecke besonders «rässe», also scharf. Und wen wundert es, dass der Fels seit jener Zeit Tuifelstäi heisst?

Nach der Sage blieb vorne am Fels das grässliche Abbild des Teufels zurück. Es erinnert daran, dass der Stein nicht einfach nur ein Felsblock am Bergweg ist, sondern Teil einer alten Engelberger Überlieferung.

SAGEN UND ORTSNAMEN Ein Fels wird zum Erinnerungsort.

Solche Geschichten erklären nicht nur einen Namen. Sie verbinden Landschaft, Glauben, Arbeit auf der Alp und die Geschichte eines Tales miteinander.

04 · Heute

Der Tuifelstäi im Engelbergertal

Der Tuifelstäi ist ein kleines, aber markantes Stück Engelberger Kulturgeschichte.

Wer im Gebiet Planggen unterwegs ist, trifft hier auf einen Ort, an dem sich Berglandschaft und Erzählung unmittelbar verbinden. Der Fels steht in einem steilen Gelände oberhalb von Horbis. Die Sage erklärt, weshalb er seinen Namen trägt und warum ein Kreuz an diesem Ort eine besondere Bedeutung hat.

Die Wege im Horbis- und Planggengebiet sind Bergwege. Je nach Jahreszeit, Nässe und Alpbetrieb können sie rutschig oder ausgesetzt sein. Für eine Wanderung sind gutes Schuhwerk, Trittsicherheit und eine realistische Einschätzung der Verhältnisse wichtig.

Horbis ist Ausgangspunkt verschiedener Wege in Richtung Ober-Zieblen und Fürenalp. Der offizielle Höhenweg von Engelberg über Horbis und Zieblen zur Fürenalp führt durch die Berglandschaft am Hahnenmassiv und weiter über Alpweiden und das Gebiet von Tagenstall.

Der Tuifelstäi ist dabei kein Grund, quer durchs Gelände abzukürzen. Bleib auf den markierten Wegen und respektiere Alpweiden, Tiere und private Grundstücke. Die Sage lässt sich auch lesen, ohne den Fels aus nächster Nähe zu betreten.

WICHTIG Der Fels ist kein Kletterziel.

Der Tuifelstäi steht in steilem Gelände. Nicht auf den Fels steigen und den Bereich bei nassem oder winterlichem Boden besonders vorsichtig beurteilen.

05 · Standort

Wo liegt der Tuifelstäi?

Der Tuifelstäi liegt im Gebiet Planggen oberhalb von Engelberg, am Weg in Richtung Planggeneralp. Die Karte zeigt den im Inventar dokumentierten Standort des Sagensteins.

Standort nach dem Schweizerischen Steindenkmäler-Inventar. Karte von swisstopo / map.geo.admin.ch. Die Karte lässt sich direkt im Fenster vergrössern und verschieben.

Karte in neuem Fenster öffnen ↗
06 · Fun-Fact

Ein Tuifelstäi gibt es auch im Dorf

Der Name ist in Engelberg nicht nur mit einem Fels verbunden. Direkt beim Bahnhof gibt es das Restaurant Tuifelsstei im Hotel Crystal Engelberg.

Ich kann das Restaurant persönlich sehr gut empfehlen. Auf der Karte stehen unter anderem Pizza, Pasta, Risotto und Fleischgerichte. Für Kinder gibt es ein Spielzimmer – praktisch, wenn man nach einer Wanderung noch in Ruhe etwas essen möchte.

  • MittagsmenüCHF 20.50
  • 2-Gang-AbendmenüCHF 35.50
  • Pizza abCHF 18.–
  • Pizza TuifelssteiCHF 25.50
  • Ravioli «Tuifelsstei»CHF 29.50
  • Kaffee TuifelssteinCHF 6.–

Die Preise entsprechen der online publizierten Speise- und Getränkekarte vom September 2026. Alle Preise sind in Schweizer Franken und inklusive 8,1 % Mehrwertsteuer angegeben.

Restaurant Tuifelsstei besuchen ↗
07 · Briefly explained

Häufige Fragen zum Tuifelstäi

Die wichtigsten Informationen zur Sage und zum Ort oberhalb von Engelberg.

Wo liegt der Tuifelstäi?

Der Tuifelstäi liegt im Gebiet Planggen oberhalb von Engelberg, über dem Horbistal. Die Infotafel beschreibt den Fels am Weg in Richtung Planggeneralp.

Warum heisst der Fels Tuifelstäi?

Der Name geht auf die Sage zurück, nach der der Teufel den Fels zur Horbiskapelle hinunterrollen wollte. Eine Bäuerin zeichnete ein Kreuz auf den Stein und verhinderte damit sein Vorhaben.

Wann spielt die Sage?

Die Infotafel setzt die Geschichte in den Mai 1490. Damals soll im Horbis eine Kapelle eingeweiht worden sein.

Was bedeutet «rässe»?

«Rässe» ist Schweizerdeutsch und bedeutet scharf oder würzig. In der Sage wird damit der Lauch beschrieben, der an der Stelle des Ereignisses wächst.

08 · Sources

Quelle und Einordnung

Die Sage und die Datierung folgen dem Text der Infotafel beim Tuifelstäi. Die Ortsbezeichnung und die Einordnung als Sagenstein wurden mit dem Schweizerischen Steindenkmäler-Inventar abgeglichen.

Die Schreibweise «Tuifelstäi» folgt der Tafel. In anderen Quellen findet sich auch «Tüfelstei» oder «Teufelsstein».

09 · Engelberg.guide

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